Babys Bewegung – Sitzen und Laufen lernen
Vom Liegen zum Laufen – ein kleines Wunder der Entwicklung
Im ersten Lebensjahr durchläuft Ihr Baby eine beeindruckende körperliche Reifung. Schritt für Schritt – und ganz im eigenen Tempo – stärkt es Muskeln, Gleichgewicht und Koordination. Dabei gilt: je freier und natürlicher sich Ihr Kind bewegen darf, desto sicherer entwickelt es sich.
Wann Babys sitzen können
Die meisten Babys lernen zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat, sich frei und selbstständig aufzurichten. Erst wenn sie sich selbst aus der Rückenlage nach oben ziehen und stabil halten können, spricht man von „Sitzreife“. Dann ist auch das Skelett so weit gefestigt, dass die Wirbelsäule die neue Belastung tragen kann.
Sitzen ist kein Trainingsziel, sondern das Ergebnis einer gereiften Muskulatur und Körperkontrolle. Bitte stützen Sie Ihr Baby nicht künstlich auf – weder durch Kissen noch Sitzhilfen oder Wippen. Solche Positionen sehen zwar „fortgeschritten“ aus, überfordern aber Rücken, Hüfte und Gleichgewichtssystem.
Warum Liegen wichtig bleibt
In der Bauch- und Rückenlage trainieren Babys auf spielerische Weise all die Muskeln, die sie später zum Sitzen, Krabbeln und Laufen brauchen.
Beim Strampeln, Drehen und Hochstützen sammeln sie unzählige sensorische Reize – die Grundlage für spätere Bewegungsabläufe.
Das Gehirn verknüpft diese Erfahrungen mit Gleichgewicht, Orientierung und Koordination. Dieses „Bewegungslernen“ geschieht automatisch – vorausgesetzt, das Kind darf es im eigenen Rhythmus tun. Zu frühes Aufsetzen oder Stehen kann den natürlichen Reifungsprozess stören. Manche Kinder wirken dann unruhig oder unsicher in ihren Bewegungen, weil sie die stabilisierenden Muskeln noch gar nicht richtig einsetzen können.
Vom Krabbeln zum ersten Schritt
Das Krabbeln beginnt meist zwischen dem achten und zehnten Monat – manchmal früher, manchmal später. Es ist eine wichtige Übergangsphase, in der Babys beide Körperhälften koordinieren lernen. Erst wenn das Gleichgewicht gut kontrolliert wird, folgen Stehen, Möbel entlanglaufen und schließlich die ersten freien Schritte – meist zwischen dem zwölften und fünfzehnten Monat.
Jedes Kind hat seinen eigenen Zeitplan. Zu frühes „Lauftraining“ oder Gehhilfen wie Lauflernwägen sind nicht hilfreich, sondern können Haltung und Bewegungsmuster sogar ungünstig beeinflussen.
Die Entwicklung der Füße
In der Lauflernphase tragen die Füße erstmals das gesamte Körpergewicht. Anfangs wirken sie platt – das ist normal. Die Fettpolster verschwinden nach und nach, die Fußmuskulatur kräftigt sich, und das Fußgewölbe bildet sich erst über mehrere Jahre aus.
O- und X-Beine gehören ebenso zur normalen Entwicklung:
- O-Beine im ersten Lebensjahr
- X-Beine im Kindergartenalter
- gerade Beinachsen meist erst im Schulalter
Wie Sie die Entwicklung fördern:
- Viel freie Bewegungszeit auf dem Boden, am besten barfuß oder mit dünnen ABS-Socken
- Keine Wippen, Gehfreis oder Lauflernwägen
- Barfußlaufen fördert Gleichgewicht, Muskulatur und Körpergefühl
- Altersgerechtes Spielzeug, das zum Greifen, Ziehen, Hochziehen oder Schieben anregt
- Kleinkinderturnen oder psychomotorisches Spiel ab dem Krabbelalter unterstützt Freude an Bewegung
Fazit
Vertrauen Sie auf die innere Uhr Ihres Kindes. Es wird sitzen, krabbeln und laufen, wenn es soweit ist. Bewegung ist Reifung – kein Wettlauf.
Mit Geduld, sicheren Spielräumen und Ihrer liebevollen Begleitung fördern Sie auf natürliche Weise eine gesunde Motorik, stabile Haltung und lebenslange Freude an Bewegung.