Pseudokrupp (Infektkrupp, Laryngotracheitis)
Der Pseudokrupp ist eine häufige, meist viral bedingte Entzündung von Kehlkopf und Luftröhre im Kleinkindalter. Typisch sind plötzlich einsetzender, bellender Husten, Heiserkeit und eine mehr oder weniger ausgeprägte Atemnot – oft nachts, häufig nach einem scheinbar harmlosen Infekt. Für Eltern wirkt der Anfall dramatisch, verläuft aber in den allermeisten Fällen gutartig und selbstlimitierend.
Eine moderne Behandlung verfolgt zwei Ziele: akute Entlastung im Anfall und langfristige Stabilisierung bei wiederkehrender Neigung.
Homöopathie beim Pseudokrupp – bewährte Akutstrategie
Viele Familien berichten über gute Erfahrungen mit einer begleitenden homöopathischen Akuttherapie. Sie ersetzt keine Notfallmedikation, kann aber – bei milderen bis moderaten Verläufen – unterstützend wirken.
Bewährtes Vorgehen im Akutfall
Bei plötzlich einsetzendem, bellendem Husten mit beginnender Atemnot hat sich folgendes Schema bewährt:
- einmalig Aconitum C200, 5 Globuli
- anschließend Hepar sulfuris C30 und Spongia marina tosta C30, jeweils 5 Globuli
Die beiden letzteren Arzneien werden getrennt in etwas Wasser gegeben, gut umgerührt und schluckweise im Mund zergehen gelassen. Zu Beginn kann dies alle fünf Minuten erfolgen. Mit nachlassenden Beschwerden werden die Abstände deutlich verlängert. Ziel ist Beruhigung, freieres Atmen und das Wiederfinden des Schlafes.
Globuli bei wiederkehrendem Infektkrupp
Bei vielen Kindern bleibt es nicht bei einem einzelnen Anfall. Die Neigung zu kruppartigen Hustenattacken kann sich über mehrere Winter ziehen und klingt meist erst im frühen Schulalter ab. In diesen Fällen ist eine individuell angepasste Begleitbehandlung sinnvoll.
Häufig eingesetzte Arzneien sind:
- Aconitum napellus C30
Klassisches Erstmittel bei plötzlichem Beginn, oft nach Kälteeinbruch oder Wind. Der Husten ist trocken und hart, das Kind sehr ängstlich und unruhig. - Spongia marina tosta C30
Typisches Mittel während des Anfalls, häufig um Mitternacht herum. Der Husten klingt hohl, metallisch-bellend, mit Engegefühl im Hals. Warme Getränke bessern oft. - Hepar sulfuris C30
Hustenanfälle eher in den frühen Morgenstunden, rasselnder Charakter, ausgeprägte Reizbarkeit, starke Kälteempfindlichkeit. - Bromum C30
Vor allem bei sommerlichen Kruppanfällen oder nach Überhitzung. Auffällig sind Schleimrasseln und Schmerzen im Kehlkopf- oder Brustbereich.
Bei ausgeprägter Anfälligkeit kann außerhalb akuter Infekte eine konstitutionelle Stabilisierung sinnvoll sein. Häufig bewährt haben sich Arzneien wie Sulfur oder Phosphorus, individuell ausgewählt und zeitlich begrenzt eingesetzt.
Wichtige Begleitmaßnahmen im Anfall
Unabhängig von jeder Medikation gilt: Ruhe wirkt oft stärker als jedes Arzneimittel.
- Bringen Sie Ihr Kind in eine aufrechte, sitzende Position
- Bleiben Sie selbst ruhig – Angst überträgt sich unmittelbar und verschlechtert die Atmung
- Sorgen Sie für frische, kühle Luft, z.B. auf dem Balkon oder am offenen Fenster
- Feuchte Luft kann lindern, z.B. durch feuchte Tücher, Wasserschalen oder den Dampf einer heißen Dusche
- Vermeiden Sie konsequent Tabakrauch in der gesamten Wohnung
Diese Maßnahmen führen oft innerhalb weniger Minuten zu einer spürbaren Entlastung.
Notfallmedikation – wann sie notwendig ist
Bei stärkeren Anfällen oder fehlender Besserung sind bewährte schulmedizinische Maßnahmen unverzichtbar:
- Prednisolon-Zäpfchen (z.B. Rektodelt, Klismacort) zur Abschwellung der Schleimhäute
- bei schweren Verläufen Adrenalin-Inhalationen unter ärztlicher Kontrolle
Diese Medikamente sind sicher, wirksam und können im Ernstfall lebensrettend sein.
Sofort ärztliche Abklärung:
- wenn sich die Beschwerden innerhalb von etwa einer Stunde nicht bessern
- wenn Atemnot, Einziehungen oder Unruhe zunehmen
- bei Schluckstörungen oder Speichelfluss
- bei hohem Fieber über 39 °C
- wenn Ihr Kind erschöpft oder auffallend teilnahmslos wirkt
Fazit
Pseudokrupp ist beängstigend, aber meist gut beherrschbar. Mit Ruhe, klaren Notfallstrategien und – bei Bedarf – einer individuell abgestimmten Begleittherapie gewinnen Eltern Sicherheit, und Kinder finden rasch wieder zu freier Atmung zurück.
Langfristige Perspektive
Viele Kinder „wachsen aus dem Pseudokrupp heraus“. Unterstützend wirken regelmäßige Aufenthalte an frischer Luft, stabile Schlafrhythmen und ein insgesamt kräftigendes Alltagsumfeld. Ab dem Vorschulalter können Klima- oder Lufterholungskuren sinnvoll sein. Nicht selten beobachtet man auch nach Wohnortwechseln oder Umweltveränderungen ein spontanes Verschwinden der Anfälle.