Risiken von Krankheiten und Impfungen
Impfungen gehören zu den wirksamsten Schutzmaßnahmen der modernen Medizin. Viele Sorgen entstehen, weil man Risiken der Impfung und Risiken der Krankheit schwer vergleichen kann. Schauen wir deshalb genau hin – mit den Erkenntnissen führender Gesundheitsbehörden wie Robert Koch-Institut (RKI), Paul-Ehrlich-Institut (PEI), Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Centers for Disease Control (CDC).
Das Fazit vorweg:
Schwere Verläufe oder bleibende Schäden durch die Krankheiten selbst sind um ein Vielfaches häufiger als ernste Impfreaktionen.
Warum Impfreaktionen entstehen
Impfstoffe trainieren das Immunsystem – sie regen gezielt Abwehrvorgänge an, ohne die Krankheit selbst auszulösen.
Dadurch kann es kurzfristig zu Reaktionen kommen: etwas Fieber, Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen oder eine Rötung an der Einstichstelle.
Das ist kein Zeichen einer „Unverträglichkeit“, sondern Ausdruck der normalen Immunaktivität.
In der Regel klingen diese Erscheinungen nach 1–3 Tagen vollständig ab.
Quellen: Robert Koch-Institut, „Sicherheitsbewertung von Impfstoffen“ (RKI Bulletin); Paul-Ehrlich-Institut, Jahresbericht Arzneimittelsicherheit.
Masern – eine vermeidbare, aber nicht harmlose Krankheit
Krankheitsrisiko:
Masern verlaufen oft schwerer, als viele Eltern vermuten. Etwa jedes zehnte Kind bekommt eine Lungenentzündung, jedes tausendste eine Gehirnentzündung. Besonders gefürchtet ist die sogenannte SSPE, eine unheilbare, tödlich verlaufende Spätfolge, die Jahre nach der Erkrankung auftreten kann.
Risikoverhältnis:
Bei 1.000 Masernerkrankungen muss mit einer schweren Hirnentzündung gerechnet werden – bei der Impfung tritt eine vergleichbare Komplikation in etwa einem Fall auf eine Million Impfungen auf.
Impfreaktionen:
Nach der MMR-Impfung kann in etwa jedem 20. Fall leichtes Fieber oder ein kleiner Ausschlag auftreten, selten ein Fieberkrampf (1:3.000–1:4.000 Impfungen), ohne bleibende Folgen.
Quellen: Robert Koch-Institut, „Ratgeber Masern“; Weltgesundheitsorganisation WHO, „Measles Fact Sheet“.
Keuchhusten (Pertussis) – gefährlich für Säuglinge
Krankheitsrisiko:
Keuchhusten ist für Säuglinge besonders bedrohlich. In den ersten Lebensmonaten kann es zu Atemstillständen, Lungenentzündungen und Krankenhausaufenthalten kommen. Todesfälle betreffen fast ausschließlich ungeimpfte Säuglinge.
Impfreaktionen:
Die Keuchhusten-Impfung ist gut verträglich. Meist treten nur leichte Schmerzen oder Rötungen an der Einstichstelle auf. Schwere Reaktionen sind extrem selten und heilen vollständig aus.
Quellen: Robert Koch-Institut, „Ratgeber Pertussis“; Centers for Disease Control (CDC), „Pertussis Vaccine Safety Overview“.
Diphtherie – eine fast vergessene, aber gefährliche Infektion
Krankheitsrisiko:
Diphtherie ist eine lebensbedrohliche bakterielle Infektion mit einer Sterblichkeit von 5–10 %, bei kleinen Kindern und älteren Erwachsenen sogar bis zu 40 %. Durch die Impfung ist sie in Deutschland nahezu verschwunden – in Ländern mit niedriger Impfquote kommt es immer wieder zu schweren Ausbrüchen.
Impfreaktionen:
Die Impfung gilt seit Jahrzehnten als sehr sicher. Es kommt nur gelegentlich zu lokalen Reizungen oder kurzzeitigem Unwohlsein. Schwerwiegende allergische Reaktionen sind extrem selten.
Quellen: Robert Koch-Institut, „Epidemiologisches Bulletin: Diphtherie“; Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), „Infektionskrankheiten im Kindesalter“.
Humane Papillomviren (HPV) – Vorbeugung statt Krebsbehandlung
Krankheitsrisiko:
In Deutschland entstehen jedes Jahr rund 8.000–10.000 Krebsfälle durch HPV – bei Frauen v. a. Gebärmutterhalskrebs, bei Männern zunehmend Kopf-Hals-Tumoren. Die Viren sind weit verbreitet und werden meist unbemerkt übertragen.
Impfreaktionen:
Die HPV-Impfung gilt als sehr gut verträglich. Die häufigsten Reaktionen sind Rötung oder Druckgefühl an der Einstichstelle, kurzzeitige Müdigkeit oder Kopfschmerz. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind extrem selten.
Quellen: Zentrum für Krebsregisterdaten (RKI), „HPV-bedingte Krebserkrankungen“; Europäische Arzneimittel-Agentur EMA, „Pharmacovigilance Review HPV Vaccines“.
Wie selten sind echte Impfschäden?
Nach Auswertung vieler Millionen Impfungen liegt das Risiko einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie) bei etwa 1 Fall pro 1 Million Impfungen.
Andere schwerwiegende Komplikationen, die tatsächlich im Zusammenhang mit einer Impfung stehen, sind noch seltener.
Das Paul-Ehrlich-Institut dokumentiert alle Verdachtsfälle und bestätigt nur einen sehr kleinen Bruchteil als wahrscheinliche Impfschäden.
Quellen: Paul-Ehrlich-Institut, Bulletin Arzneimittelsicherheit 2025; Centers for Disease Control (CDC), „Vaccine Adverse Event Reporting System Annual Review“.
Fazit
- Die Risiken der Krankheiten sind tausendfach größer als die der Impfungen.
Masern, Keuchhusten, Diphtherie oder HPV verursachen jedes Jahr schwere Krankheitsverläufe, bleibende Schäden oder Todesfälle – Impfschäden dagegen sind extrem selten. - Impfreaktionen sind meist harmlos und vorübergehend.
Rötung, Druckempfindlichkeit oder Fieber zeigen, dass das Immunsystem arbeitet. - Die Überwachung ist engmaschig.
Alle Impfstoffe werden fortlaufend kontrolliert und nach aktuellen Sicherheitsstandards bewertet. - Ihr Kind ist durch Impfungen sicherer geschützt als ohne.
Quellen: Robert Koch-Institut, Impfkalender und Sicherheitsberichte; Weltgesundheitsorganisation WHO, „Global Vaccine Safety Summary“.
Abschließend:
Impfungen sind Ausdruck von Fürsorge und Vorsorge. Sie schützen nicht nur das eigene Kind, sondern auch die Gemeinschaft.
Wenn Fragen, Sorgen oder Unklarheiten bestehen: Sprechen Sie uns in der Sprechstunde oder im Praxischat an.
Wir erklären, begleiten und helfen – ruhig und mit all unserer Erfahrung.