Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
Die Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) ist bei Kindern häufiger, als viele denken – meist als Folge einer Erkältung oder eines länger bestehenden Schnupfens. Im Kleinkindalter sind nur die Kieferhöhlen vollständig ausgebildet; Stirn- und Keilbeinhöhlen reifen erst ab dem 5. bis 6. Lebensjahr. Deshalb sehen wir die typischen Nebenhöhlenentzündungen v. a. bei Schulkindern und Jugendlichen.
Studien zeigen:
Etwa 80 % der Sinusitiden werden durch Viren verursacht, 15–20 % durch Bakterien – meist als Folge einer verschleppten Erkältung. Nur wenige Prozent verlaufen schwer oder erfordern Antibiotika.
Wie entsteht eine Sinusitis?
Eine einfache Erkältung führt zu einer Schwellung der Nasenschleimhäute. Dadurch wird der Abfluss der Nasennebenhöhlen behindert, Schleim staut sich, und es kommt zu Druckgefühl im Gesicht.
Wenn das Sekret nicht mehr richtig abfließen kann, entsteht ein idealer Nährboden für Bakterien wie Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae oder Moraxella catarrhalis.
Selten breitet sich die Entzündung über die Blutbahn aus (z. B. bei Scharlach, Masern, Influenza). Eine von außen eindringende Infektion ist praktisch ausgeschlossen.
Typische Symptome
- Langanhaltender Schnupfen (> 10 Tage) mit gelblich-grünem Sekret
- Verstopfte Nase, Druck- oder Schmerzgefühl im Gesicht oder hinter der Stirn
- Kopfschmerzen, besonders beim Bücken
- Husten, v. a. nachts oder im Liegen
- Mundgeruch, Mattigkeit, gelegentlich Fieber
Bei Jugendlichen kommen häufiger Kopfschmerz und Riechstörung hinzu.
Kleinkinder zeigen oft nur unspezifische Symptome wie Unruhe, Appetitlosigkeit oder anhaltenden Husten.
Erkältung oder Sinusitis?
| Merkmal | Erkältungsschnupfen | Sinusitis |
|---|---|---|
| Dauer | 5–10 Tage | >10 Tage oder erneut verschlechtert |
| Nasensekret | wässrig, klar | dick, gelblich-grün |
| Fieber | selten, niedrig | häufig > 38,5 °C |
| Kopfschmerz | selten | typisch, verstärkt beim Bücken |
| Geruchssinn | erhalten | oft vermindert |
| Allgemeinbefinden | leicht beeinträchtigt | deutlich reduziert, müde, abgeschlagen |
Komplikationen – selten, aber ernst
Komplikationen sind selten, müssen aber erkannt werden.
Warnzeichen für eine Augenbeteiligung (Orbitalphlegmone) sind:
- geschwollenes, gerötetes Augenlid
- schmerzhaft eingeschränktes Augenbewegen
- Sehstörungen oder Doppelbilder
In diesen Fällen ist eine sofortige ärztliche Behandlung mit Antibiotika und ggf. stationärer Überwachung notwendig.
Moderne Therapie: das Wichtigste ist der Sekretabfluss
Bei unkomplizierten Verläufen steht die Abschwellung und Befeuchtung der Schleimhäute im Mittelpunkt – nicht die sofortige Antibiotikagabe.
Bewährte Maßnahmen:
- Meerwasser-Nasenspülungen oder Inhalationen mit 0,9 % Kochsalzlösung
- Feuchtigkeit in der Raumluft: Lüften, feuchte Tücher, Wasserschalen, Inhalator
- Kräuterinhalationen (z. B. Kamille, Thymian, Holunderblüte) zur Schleimlösung
- Nasensprays auf Meersalzbasis oder Rhinodoron (Aloe Vera, isotonisch)
- Sanfte Wärme (Rotlicht, feuchtwarme Auflagen auf Wangen oder Stirn)
- Ausreichend trinken und Ruhe
- Bei Bedarf Paracetamol oder Ibuprofen gegen Schmerzen und Fieber
Wichtig: Abschwellende Nasentropfen (z. B. Xylometazolin) sollten höchstens 5–7 Tage verwendet werden, um Gewöhnung und Austrocknung der Schleimhäute zu vermeiden.
Antibiotika – seltener nötig als gedacht
Nach den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der AWMF-Leitlinie wird bei unkomplizierter Sinusitis zunächst ohne Antibiotika behandelt.
Eine Antibiotikatherapie ist nur angezeigt bei:
- Schwerem Verlauf mit Fieber > 38,5 °C und starkem Krankheitsgefühl
- Eitrigem Nasensekret über mehr als 10 Tage oder sich verschlechterndem Verlauf
- Komplikationen (z. B. Augen- oder Knochenbeteiligung)
- Immunschwäche oder chronischen Grunderkrankungen
Bei leichteren Verläufen wird das sogenannte „abwartende Vorgehen mit Beobachtung“ (watchful waiting) empfohlen.
So werden unnötige Antibiotikagaben und Resistenzentwicklungen vermieden.
Unterstützung des Immunsystems
Kinder mit häufigen Atemwegsinfekten profitieren von sanften Maßnahmen zur Stärkung der Schleimhautimmunität:
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft
- Ausreichend Schlaf und Flüssigkeit
- Vitaminreiche Ernährung mit Obst, Gemüse und Omega-Fettsäuren
- Probiotika zur Unterstützung der Schleimhautfunktion (z. B. Mutaflor, Omnibiotic)
- Impfungen können vorbeugend die Abwehr trainieren
Fazit
Die Sinusitis im Kindesalter ist meist eine Folge viraler Infekte und heilt in der Regel spontan aus. Eine bewusste, naturgemäße Behandlung mit Feuchtigkeit, Wärme, Ruhe und Geduld genügt meist. Antibiotika sind nur bei klaren bakteriellen Verläufen oder Komplikationen sinnvoll.