Verstopfung im Kleinkind- und Vorschulalter

Obstipation in der Sauberkeitsentwicklung

Die chronische Verstopfung (Obstipation) ist eines der häufigsten Krankheitsbilder im Kindesalter. Etwa ein Drittel aller Klein- und Schulkinder ist zeitweise betroffen. Sie stellt zugleich die häufigste Ursache wiederkehrender Bauchschmerzen bei Kindern und Jugendlichen dar.

In über 90–95 % der Fälle liegt keine organische Erkrankung, sondern eine funktionelle Störung vor. Für Eltern ist das zunächst beunruhigend – medizinisch betrachtet aber eine gute Ausgangslage, denn diese Form der Verstopfung ist gut behandelbar.

Typische Beschwerden – hätten Sie's gewusst?

Verstopfung äußert sich bei Kindern häufig anders als erwartet:

  • wiederkehrende Bauchschmerzen, v.a. im linken Unterbauch
  • Zunahme der Schmerzen nach Mahlzeiten (gastrokolischer Reflex)
  • Kotschmieren oder Einkoten, auch bei bereits „sauberen“ Kindern
  • übelriechende, schleimig-flüssige Stühle („Überlaufstuhl“)
  • seltene, sehr große oder schmerzhafte Stuhlentleerungen
  • aktives Zurückhalten, Pressangst, Vermeidungsverhalten

👉 Wichtig: Ein harter Stuhl ist nicht zwingend vorhanden.

Warum kommt es zur Verstopfung?

Meist wirken mehrere Faktoren zusammen:

  • Ernährungsumstellung (Beikost, Familienkost)
  • zu geringe Flüssigkeitszufuhr
  • ballaststoffarme Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • Sauberkeitsentwicklung mit bewusstem Zurückhalten
  • schmerzhafte Stuhlerfahrungen
  • psychische Belastungen
    • Kita- oder Schulbeginn
    • Umzug, Geschwistergeburt
    • Stress, Zeitdruck, ungeeignete Toiletten
  • seltener: Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z. B. Kuhmilchprotein)

Der Teufelskreis der Verstopfung

Zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr lernt das Kind, den Stuhl willentlich zurückzuhalten. Wird der Stuhlgang einmal als schmerzhaft erlebt, entsteht leicht ein Teufelskreis:

Zurückhalten → längere Verweildauer im Darm → härterer, größerer Stuhl → Schmerzen → erneutes Zurückhalten.

In der Folge kann es zu Schleimhautrissen, kleinen Blutungen, Hämorrhoiden oder einem Schleimhautvorfall kommen.

⚠️ Dieser Kreislauf endet fast nie von selbst.

Therapie – den Teufelskreis durchbrechen

Die Behandlung erfordert Geduld, Konsequenz und Zeit.

1. Entleerungsphase
Ziel ist die Entlastung des überdehnten Enddarms

  • Miniklistiere oder Glycerinzäpfchen (kurzzeitig, ärztlich begleitet)

2. Stuhlweichhaltephase
Schmerzfreier, regelmäßiger Stuhlgang

  • z.B. Lactulose oder Macrogol
  • meist über Wochen bis Monate erforderlich

3. Stabilisierungsphase

  • Anpassung von Ernährung, Trink- und Bewegungsverhalten
  • verhaltenstherapeutische Maßnahmen

Was Sie zu Hause tun können

Trinken

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist entscheidend.

  • Kleinkind: ca. 70–90 ml/kg KG/Tag
  • Schulkind: ca. 50–70 ml/kg KG/Tag

Geeignet sind Wasser, ungesüßte Tees, Suppen, Kompott.

Ernährung

Günstig bei Verstopfung

  • Vollkornbrot, Müsli ohne Zucker
  • Gemüse, Kartoffeln
  • Obst, Apfelmus
  • Trockenobst (Pflaumen, Feigen, Aprikosen)
  • Joghurt, Kefir, Buttermilch
  • ggf. kleine Mengen Pflanzenöl oder Milchzucker (nach Rücksprache)

Ungünstig

  • Banane
  • Weißmehlprodukte
  • Süßigkeiten, Schokolade, Kakao
  • gesüßte Getränke

 

Bewegung

  • tägliches Toben, Laufen, Spielen
  • Bildschirmzeiten begrenzen


Verhaltensmassnahmen zuhause

  • regelmäßiger Toilettengang nach den Hauptmahlzeiten
  • Nutzung des gastrokolischen Reflexes
  • entspannte Sitzposition (Fußhocker)
  • kein Zwang, kein Druck
  • Lob, positive Zuwendung, Stuhlkalender

Merke: Zwang verstärkt die Verstopfung fast immer.

Fazit

Verstopfung im Kleinkindalter ist häufig, entwicklungsbedingt und gut behandelbar.
Mit Geduld, klarer Struktur und frühzeitiger Unterstützung lässt sich der Teufelskreis zuverlässig durchbrechen.