Lungenentzündung (Pneumonie) im Kindesalter

Wenn Husten und Fieber ernst werden

Lungenentzündungen gehören zu den häufigsten Infektionen im Kindesalter – dank moderner Medizin aber heute meist gut behandelbar.
Im Gegensatz zu den harmlosen Erkältungsinfekten betrifft die Pneumonie die tieferen Atemwege und die Lungenbläschen, in denen der Sauerstoffaustausch stattfindet.

Erreger

Meist entsteht eine Lungenentzündung als Komplikation nach einem Atemwegsinfekt, wenn Viren oder Bakterien in die Lunge eindringen.
Im frühen Kindesalter überwiegen Viruspneumonien (z. B. durch RS-, Adeno- oder Parainfluenzaviren).
Bei Vorschulkindern sind Pneumokokken und Haemophilus influenzae häufige bakterielle Auslöser.
Ab dem Schulalter treten häufiger sogenannte atypische Erreger wie Mycoplasma pneumoniae oder Chlamydia pneumoniae auf – sie verursachen mildere, aber länger dauernde Verläufe.

Etwa 30–40 % der kindlichen Pneumonien sind viral, Pneumokokken verursachen rund 30 %, Mykoplasmen etwa 20–25 % der Fälle (DGPI, RKI).
Durch die Pneumokokkenimpfung sind schwere bakterielle Verläufe heute deutlich seltener geworden.

Symptome

Die Erkrankung beginnt oft mit Husten, Fieber und Mattigkeit, manchmal plötzlich, manchmal schleichend.
Typisch sind:

  • Fieber über 38,5 °C, eventuell Schüttelfrost
  • Husten (zunächst trocken, später mit Schleim)
  • schnelle, angestrengte Atmung, pfeifendes oder rasselndes Atemgeräusch
  • Brust- oder Bauchschmerzen beim Atmen
  • Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Trinkverweigerung bei Kleinkindern

Bei Säuglingen kann sich eine Pneumonie durch Nasenflügeln, Einziehungen und Blässe bemerkbar machen.

Typische und atypische Pneumonie

Typische Pneumonien verlaufen meist bakteriell (z. B. durch Pneumokokken).
Sie beginnen plötzlich, mit hohem Fieber, Schüttelfrost und feuchten Rasselgeräuschen.
Im Röntgenbild finden sich klare, umschriebene Entzündungsherde.
Eine Antibiotikatherapie mit Amoxicillin ist hier sinnvoll und führt meist rasch zur Besserung.

Atypische Pneumonien – meist durch Mykoplasmen oder Chlamydien verursacht – beginnen schleichend mit trockenem Reizhusten, nur leichtem Fieber und oft erstaunlich gutem Allgemeinzustand.
Die Kinder husten über Wochen, wirken aber kaum krank.
Bei Bedarf werden Makrolid-Antibiotika (z. B. Azithromycin) eingesetzt, viele Verläufe heilen aber auch ohne Antibiotika aus.
Ein anhaltender Reizhusten nach Abklingen der Erkrankung ist häufig und kein Grund zur Sorge.

Warnzeichen einer Pneumonie

  • Fieber über 3 Tage oder erneut ansteigend
  • schnelle oder erschwerte Atmung
  • blasse oder bläuliche Haut, Lippen
  • auffallende Müdigkeit, Apathie, Trinkverweigerung
  • Brust- oder Bauchschmerzen beim Atmen

Diese Symptome erfordern eine ärztliche Kontrolle.

Therapieprinzipien

  • Viel Ruhe, Wärme und Flüssigkeit
  • Fiebersenkung nur bei starkem Unwohlsein
  • Inhalationen mit Kochsalzlösung zur Schleimlösung
  • Bauchlage oder Seitenlage zur besseren Belüftung
  • Antibiotika nur bei nachgewiesen bakterieller Ursache oder schwerem Verlauf

Die meisten Kinder erholen sich innerhalb von 7–10 Tagen, der Husten kann jedoch länger anhalten.

Vorbeugung

  • Gute Raumbelüftung (Stoßlüften), rauchfreie Umgebung
  • Pneumokokkenimpfung ab dem 2. Lebensmonat
  • RSV-Antikörper im ersten Lebensjahr
  • Influenzaimpfung bei Risikokindern
  • regelmäßige Bewegung, frische Luft, ausreichend Schlaf
  • Gründliches Händewaschen

Fazit

Lungenentzündungen sind im Kindesalter meist gut heilbar, wenn sie früh erkannt und richtig eingeordnet werden. Die meisten Verläufe sind mild, viele sogar viral oder atypisch – Antibiotika sind daher nicht immer nötig. Wichtig ist, das Kind aufmerksam zu beobachten und bei Anzeichen einer Verschlechterung frühzeitig ärztlich vorstellig zu werden.

Mit Ruhe, Geduld und gezielter ärztlicher Begleitung können Kinder ihre Lungen vollständig ausheilen – und ihr Immunsystem wird dabei nachhaltig gestärkt.