Die Bedeutung des Fiebers

Fieber im Kindesalter – ein Zeichen aktiver Abwehr

Kinder kommen mit einem noch unreifen Immunsystem zur Welt. Dieses entwickelt sich erst im Laufe der Jahre durch den Kontakt mit Viren, Bakterien und anderen Umweltreizen. Ähnlich wie Sprache durch Ansprache oder Motorik durch Bewegung erlernt wird, reift auch das Immunsystem durch Übung.

Vorschulkinder haben im Durchschnitt sechs bis acht fieberhafte Infekte pro Jahr. Jeder einzelne Infekt stellt eine wichtige Trainingseinheit dar, bei der Abwehrmechanismen aufgebaut, verfeinert und langfristig stabilisiert werden. Häufiges Fieber im Kleinkindalter ist daher in aller Regel ein Zeichen von Entwicklung – nicht von Schwäche. Eine erhöhte Körpertemperatur ist kein Alarm, sondern Teil einer gezielten biologischen Strategie. Fieber zeigt: Der Körper arbeitet.

Fieber ist im Kindesalter deshalb häufig kein Feind, sondern Ausdruck von Reifung, Anpassung und Selbstheilung – und verdient vor allem aufmerksame Begleitung statt reflexhafte Unterdrückung.

Was Fieber im Körper bewirkt

Moderne immunologische Erkenntnisse zeigen:
Bei Fieber laufen viele Abwehrprozesse effizienter ab.

  • Immunzellen werden schneller aktiviert
  • die Vermehrung vieler Viren wird gehemmt
  • Entzündungs- und Heilungsprozesse werden koordiniert
  • das Immunsystem „merkt sich“ Erreger nachhaltiger

Auch höheres Fieber ist für Kinder meist gut tolerierbar. Entscheidend ist weniger der Zahlenwert auf dem Thermometer als der Allgemeinzustand des Kindes: Trinkt es, ist es ansprechbar, sucht Nähe und reagiert auf Zuwendung, dann arbeitet das Immunsystem in der Regel angemessen.

Erhöhte Körpertemperatur oder Fieber?

Die normale Körpertemperatur liegt zwischen 36,5° - 37,5°.
Sie kann im Tagesverlauf um bis zu 1° schwanken.

Temperaturen von 38°- 39° werden als leichtes Fieber,
über 39° als hohes Fieber 
über 40,5° als sehr hohes Fieber bezeichnet.

Fieber beginnt häufig mit Frieren und Frösteln.
Es folgt oft eine Phase der Kreislaufkonzentration (kalte Füße und heißer Kopf) 
und schließlich das Schwitzstadium.

Achten Sie auf das Kind - nicht auf den Fieberwert

Für Eltern verständlicherweise im Mittelpunkt steht oft der Thermometerwert. Medizinisch entscheidend ist jedoch vor allem der Allgemeinzustand des Kindes.

Gute Zeichen sind:

  • das Kind trinkt
  • es ist ansprechbar
  • es sucht Nähe und reagiert auf Zuwendung
  • zwischen den Fieberspitzen wirkt es zeitweise wacher

In diesen Situationen funktioniert die Abwehr in der Regel zuverlässig – auch bei höheren Temperaturen.

Was Eltern selbst tun können

Sie unterstützen Ihr fieberndes Kind am besten durch:

  • Ruhe und Nähe
  • ausreichendes Trinken
  • leichte Kleidung (kein „Ausschwitzen“)
  • eine ruhige, verlässliche Umgebung
  • aufmerksame Beobachtung statt ständiger Kontrolle

Ruhe, Flüssigkeit und leichte Kost

Fieber braucht Energie. Schlaf, Geborgenheit und Zuwendung sind oft wirksamer als jede Maßnahme von außen. Ein fieberndes Kind sollte zur Ruhe kommen dürfen und nicht zusätzlich belastet werden.

Durch die erhöhte Verdunstung benötigt der Körper mehr Flüssigkeit. Bieten Sie Ihrem Kind daher regelmäßig Getränke an und achten Sie auf eine ausreichende Urinausscheidung (etwa alle 4–5 Stunden). Gut geeignet sind leicht gesüßte Tees oder zimmerwarmes und ausgerührtes Mineralwasser.

Im Fieber essen Kinder meist weniger. Das ist normal und kein Grund zur Sorge. Leichte Kost wie Suppen oder frisches Obst wird oft am besten angenommen. Zwingen Sie Ihr Kind nicht zum Essen. Wichtig ist vor allem das Trinken. Bei deutlicher Trinkschwäche oder ausbleibendem Urin sollte Ihr Kind unverzüglich kinderärztlich vorgestellt werden.

 

Bewährte Hausmittel bei Fieber im Kindesalter:

Wadenwickel

Nur bei heißen Waden - nicht bei fröstelnden Kindern oder kalten Füssen anwenden.

2 Leinentücher in Schüssel mit ca. 18°C (zimmerwarmen) Wasser mit einem Schuss Essig tauchen, auswringen und glattgestrichen um jeweils einen Unterschenkel wickeln. Tuchbreite vom Fußknöchel bis zum Knie. Darüber ein trockenes Frottiertuch schlagen, das auf beiden Seiten das feuchte Tuch überlappen soll. Darüber ein schmaleres Wolltuch fest wickeln, oder große Erwachsenensocken über Wickel ziehen.

Wichtig:
Die Wickel müssen straff sitzen. Nach ½ Stunde abnehmen und Unterschenkel gut abfrottieren. Stündliche Wiederholung möglich.


 

Waschungen und Abkühlungsbäder

Anwendung nur im warmem Zimmer. Eine Schüssel kaltes Wassermit einem Schuss Zitronensaft oder Kamillentee vorbereiten.Darin ein grobes Frottiertuch eintauchen, kurz ausdrücken. Hände und Arme,Füße und Beine, Brust, Bauch und Rücken abreiben. Abreibung von außen zur Körpermitte hin. Anwendung rasch - Kind soll nicht frieren und nicht sehr nass werden. Anschließend ohne Abtrocknung Schlafanzug anziehen und gut zudecken.


 

Lindenblütentee 

(schweißtreibend) mit Holunder-Sirup:

1 EL Lindenblüten mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen,
10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen.
Etwas Honig und Zitrone oder Holunder-Sirup (Reformhaus) zugeben.
3 - 4 Tassen täglich, frisch zubereitet, wiederholen.


 

Einläufe

1 EL Kamillenblüten mit 1 Liter kochenden Wasser übergießen und 10 Min. ziehen lassen. Abseihen und eine Prise Salz zugeben; abkühlen lassen.Den zimmerwarmen Tee in ein Gummiklistier oder Irrigator (Apotheke) füllen,in den After einführen und mit kräftigen Druck entleeren.

Füllmengen:
Säugling 70 - 100 ml,
Kleinkind bis zu 250 ml,
Schulkind bis zu 500 ml. (Bis zu viermalige Anwendung täglich).

Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten

Bitte stellen Sie Ihr Kind zeitnah vor, wenn:

  • Ihr Kind jünger als 3 Monate ist
  • das Fieber länger als 3 Tage anhält
  • Ihr Kind sehr schlapp, teilnahmslos oder kaum weckbar wirkt
  • Atemnot, anhaltendes Erbrechen oder starke Schmerzen auftreten
  • Sie als Eltern ein ungutes Bauchgefühl haben

Ihr Gefühl ist wichtig – und darf ernst genommen werden.

Medikamentöse Fieberbehandlung
Behandlung bei Fieberkrampf

Fazit

Fieber fordert Eltern heraus – und stärkt Kinder langfristig. 
Mit Wissen, Ruhe und Vertrauen können Sie Ihr Kind sicher begleiten. 
Und wenn Unsicherheit bleibt, sind wir selbstverständlich für Sie da – im Praxischat und auch in der Sprechstunde.