Grippale Infekte – Erkältungskrankheiten der oberen Atemwege (ARI)

Warum Kinder so häufig erkältet sind – und warum das meist kein Grund zur Sorge ist

Kaum ist ein Infekt überstanden, beginnt schon der nächste: Für Eltern kleiner Kinder scheint es, als seien ständig Husten, Schnupfen und Halsschmerzen im Umlauf. Das ist ganz normal – und wichtig für die Reifung des kindlichen Immunsystems.

Kinder kommen ohne „Abwehrerfahrung“ auf die Welt. Erst durch den Kontakt mit alltäglichen Viren trainiert das Immunsystem seine Reaktionsfähigkeit. Im Vorschulalter sind 6–8 Infekte pro Jahr völlig normal, in den ersten Kita-Jahren sogar bis zu 10–12 Episoden.

Erreger – die meisten Infekte sind viral

Rund 90 % aller Atemwegsinfekte werden durch Viren verursacht.
Am häufigsten beteiligt sind:

  • Rhinoviren (Schnupfenviren)
  • Adenoviren
  • Parainfluenza- und Influenzaviren
  • RS-Virus (Respiratory Syncytial Virus) – besonders im Säuglingsalter
  • Coronaviren (nicht zu verwechseln mit SARS-CoV-2)
  • Metapneumoviren, Coxsackie- und ECHO-Viren

Nur etwa 10 % der Infekte entstehen durch Bakterien, meist als Zweitinfektion („bakterielle Superinfektion“) nach einer Virusinfektion.

Symptome: viele Gesichter, meist harmlos

Die Beschwerden beginnen schleichend:
Kratzen im Hals, leichtes Frösteln, laufende oder verstopfte Nase, Husten, Heiserkeit.
Bei Kindern kommen häufig Fieber, Bauchschmerzen oder Appetitlosigkeit hinzu.

Typisch für grippale Infekte:

  • allmählicher Beginn
  • milder Verlauf
  • Dauer 7–10 Tage

Im Gegensatz dazu beginnt eine echte Influenza-Grippe plötzlich, mit hohem Fieber, starken Gliederschmerzen und ausgeprägter Erschöpfung.

Verlauf und mögliche Komplikationen

In den meisten Fällen heilen grippale Infekte spontan und folgenlos aus.
Komplikationen entstehen selten und meist dann, wenn sich Bakterien auf die vorgeschädigten Schleimhäute setzen.

Mögliche Folgeerkrankungen:

  • Mittelohrentzündung (Otitis media)
  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • selten: Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder Krupphusten

Bei anhaltendem Fieber über 3 Tage, schwerer Abgeschlagenheit, Atemnot oder Schmerzen sollte immer eine ärztliche Untersuchung erfolgen.

 

Moderne Behandlung: Abwehr unterstützen statt unterdrücken

Da es sich meist um Virusinfekte handelt, ist eine antibiotische Therapie nicht wirksam und laut DGPI- und RKI-Empfehlungen nur bei klarer bakterieller Superinfektion angezeigt.

Ziel der Behandlung ist die Linderung der Symptome und die Unterstützung der körpereigenen Abwehrmechanismen:

Bewährte Maßnahmen:

  • Viel Flüssigkeit (Wasser, Tee, Brühen)
  • Feuchte Raumluft und regelmäßiges Lüften
  • Nasenspülungen oder Meerwassersprays bei Schnupfen
  • Wärme und Ruhe bei Fieber oder Gliederschmerzen
  • Leichte, vitaminreiche Kost
  • Schlaf und körperliche Schonung

Fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol oder Ibuprofen sind nur bei starkem Krankheitsgefühl oder hohem Fieber notwendig – nicht automatisch bei jeder Temperaturerhöhung. Hausmittel wie Zwiebelsaft, Thymiantee, Halswickel oder Brustbalsame können Beschwerden auf natürliche Weise lindern. 

Antibiotika – mit Bedacht einsetzen

Nach allen modernen Leitlinien gilt:

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren.

Ihr unkritischer Einsatz kann die natürliche Darmflora stören und zur Ausbildung resistenter Keime führen. Eine antibiotische Therapie ist nur sinnvoll bei:

  • nachgewiesener bakterieller Superinfektion (z. B. eitrige Mittelohr- oder Nebenhöhlenentzündung)
  • schwerem Verlauf mit Komplikationen
  • Abwehrschwäche oder chronischen Vorerkrankungen

Was stärkt die Abwehr?

Eltern können viel beitragen, um die Infektanfälligkeit zu verringern:

  • Tägliche Bewegung im Freien – auch bei kühlem Wetter
  • Frische, feuchte Raumluft statt Überheizung
  • Ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse und Omega-3-Fettsäuren
  • Genügend Schlaf und Stressreduktion
  • Vermeidung von Tabakrauch
  • Stillen in den ersten Lebensmonaten stärkt das Immunsystem nachhaltig

Zur Immunstimulation können Vitamine und Probiotika unterstützend eingesetzt werden – individuell nach ärztlicher Beratung.

Wann zum Arzt?

  • Fieber über 3 Tage oder > 39 °C
  • Atemnot, pfeifende Atmung oder bläuliche Lippen
  • starke Ohr-, Kopf- oder Gesichtsschmerzen
  • auffällige Müdigkeit oder Trinkverweigerung
  • Hautausschlag oder Kreislaufprobleme

Fazit

Grippale Infekte gehören zur normalen Entwicklung von Kindern. Sie trainieren das Immunsystem und helfen, eine stabile Abwehr aufzubauen.
In den allermeisten Fällen genügt es, den Körper achtsam zu unterstützen, statt ihn mit unnötigen Medikamenten zu belasten. Eltern dürfen auf die Selbstheilungskraft ihrer Kinder vertrauen – und wissen, wann ärztliche Hilfe sinnvoll ist.