Bewährte Hausmittel

Sanfte Hilfe aus der Erfahrung vieler Generationen

Hausmittel begleiten Familien seit Jahrhunderten durch die kleinen und größeren Infekte des Alltags.  Sie sind kein Ersatz für ärztliche Behandlung, können aber den Körper Ihres Kindes sanft unterstützen und ihm Erleichterung verschaffen. Wickel, Tees oder Waschungen wirken nicht nur körperlich. Sie schenken Nähe, Wärme und Aufmerksamkeit – Dinge, die für Kinder oft genauso heilsam sind wie jede Medizin. Gleichzeitig können Sie als Eltern aktiv etwas Gutes tun.
Achten Sie dabei immer auf Ihr Kind. Was angenehm ist, darf bleiben. Was als unangenehm empfunden wird, wird beendet. Ihr Gefühl für Ihr Kind ist dabei ein wichtiger Maßstab.

Und wenn Sie unsicher sind oder sich der Zustand verschlechtert: Holen Sie sich Hilfe. Dafür sind wir da – in der Praxis und im Praxischat.

 

Husten

Brustwickel mit Quark

Anwendungsmöglichkeit
Bei Infekten der Atemwege bewährt sich der Quarkwickel als sanfte Hausmaßnahme. Er wirkt kühlend und entspannend, kann Hustenreiz lindern, den Schleim lösen und die verkrampfte Atemmuskulatur beruhigen. Viele Kinder empfinden ihn zudem als wohltuend und einschlaffördernd.

Vorgehensweise
Eine feine, ältere Baumwollwindel einmal falten.
50–100 g frischen Magerquark im Wasserbad auf Körpertemperatur erwärmen und etwa 1 cm dick auf die Windel streichen, ca. 10 cm hoch, so dass die Quarkfläche später den Brustkorb gut umschließt.
Die Quarkfläche mit der restlichen Windel oder einer zweiten dünnen Baumwollwindel abdecken und zügig auf die Brust des Kindes legen.
Anschließend den Oberkörper mit einem längsgefalteten Frotteetuch umwickeln und das Kind mit einer Wolldecke gut zudecken.

Dauer
Der Wickel kann mindestens eine Stunde, bei guter Verträglichkeit auch die ganze Nacht liegen bleiben.
Wird er als unangenehm empfunden oder friert Ihr Kind, den Wickel bitte sofort abnehmen.


 

Schwarzer-Rettich-Hustensaft

Anwendungsmöglichkeit
Bewährt bei Reizhusten. Der Saft wirkt schleimlösend und leicht bakteriostatisch und ist eine klassische, gut verträgliche Hausmedizin.

Vorgehensweise
Vom Schwarzen Rettich den Kopf als „Deckel“ abschneiden.
Den Rettich aushöhlen und mit 5–10 Esslöffeln Honig füllen.
Den Deckel wieder aufsetzen und den Rettich etwa 1½ Stunden stehen lassen.
Der Honig verbindet sich mit den Inhaltsstoffen des Rettichs zu einem Hustensaft.
Die entstandene Flüssigkeit in ein Gefäß abgießen und kühl lagern.

Dosierung
Kinder ab 2 Jahren: 4-mal täglich 1–3 Teelöffel.

Hinweis
Honig ist für Kinder unter 1 Jahr nicht geeignet. Bei länger anhaltendem Husten, nächtlicher Atemnot oder Fieber bitte frühzeitig ärztlich Rücksprache halten.

 

Hausmittel können Fieber sanft begleiten, das Kind entlasten und das Wohlbefinden verbessern. 
Bedenken Sie: Fieber ist keine Krankheit, sondern eine sinnvolle Abwehrreaktion des Körpers. 
Ziel ist nicht das „Herunterdrücken“ der Temperatur, sondern Unterstützung, wenn sich das Kind sichtbar unwohl fühlt.

Bewährte Hausmittel bei Fieber im Kindesalter

Wadenwickel

Anwendung
Nur bei heißen Waden anwenden.
Nicht geeignet bei fröstelnden Kindern, kalten Füßen oder Schüttelfrost.

Vorgehensweise
Zwei Leinentücher in eine Schüssel mit ca. 18 °C (zimmerwarmem) Wasser mit einem Schuss Essig tauchen.
Gut auswringen und glatt um die Unterschenkel wickeln, vom Fußknöchel bis knapp unter das Knie.
Darüber jeweils ein trockenes Frottiertuch legen, das seitlich überlappt.
Zum Abschluss ein schmales Wolltuch straff wickeln oder große Erwachsenensocken überziehen.

Wichtig
Die Wickel müssen straff, aber nicht einschnürend sitzen.
Nach 30 Minuten abnehmen und die Unterschenkel gut trockenreiben.
Eine stündliche Wiederholung ist möglich, solange die Beine warm bleiben.


 

Waschungen und Abkühlungsbäder

Anwendung
Nur im warmen Raum durchführen.

Vorgehensweise
Eine Schüssel mit kaltem Wasser vorbereiten, optional mit einem Schuss Zitronensaft oder Kamillentee.
Ein grobes Frottiertuch eintauchen und kurz ausdrücken.
Hände und Arme, Füße und Beine, Brust, Bauch und Rücken zügig abreiben.
Immer von außen zur Körpermitte hin arbeiten.
Die Anwendung soll rasch erfolgen – das Kind darf nicht frieren und nicht durchnässt sein.
Anschließend ohne Abtrocknen Schlafanzug anziehen und gut zudecken.


 

Lindenblütentee

(schweißtreibend)

Zubereitung
1 Esslöffel Lindenblüten mit 1 Tasse kochendem Wasser überbrühen.
10 Minuten zugedeckt ziehen lassen, anschließend abseihen.
Nach Geschmack etwas Honig und Zitrone oder Holunder-Sirup (Reformhaus) zugeben.

Anwendung
3–4 Tassen täglich, möglichst frisch zubereitet.

Hinweis
Honig erst ab dem 1. Lebensjahr verwenden.


 

Einläufe

Anwendung
Zur fiebersenkenden Entlastung über den Darm, nur bei ruhigem Kind und sicherer Durchführung.

Vorgehensweise
1 Esslöffel Kamillenblüten mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen.
Abseihen, eine Prise Salz zugeben und auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.
Den Tee in ein Gummiklistier oder einen Irrigator (Apotheke) füllen.
Vorsichtig in den After einführen und mit gleichmäßigem Druck entleeren.

Füllmengen
Säugling: 70–100 ml
Kleinkind: bis zu 250 ml
Schulkind: bis zu 500 ml

Eine Anwendung ist bis zu viermal täglich möglich.

Merke

Hausmittel dürfen beruhigen und unterstützen – sie ersetzen keine ärztliche Abklärung.
Bei schlechtem Allgemeinzustand, Trinkverweigerung, anhaltendem hohen Fieber, Krampfanfällen oder Unsicherheit gilt: lieber einmal zu früh als zu spät nachfragen.
Gerne beraten wir Sie dazu in der Praxis und im Praxischat.

Halswickel bei Halsentzündungen und Halsschmerzen

Anwendungsmöglichkeit
Bei akuten Hals- und Rachenentzündungen sowie bei schmerzhaften Lymphknotenschwellungen (ab dem 2. Lebensjahr). Der Halswickel wirkt abschwellend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Viele Kinder empfinden ihn als sehr beruhigend.

Vorgehensweise
Ein Leinentuch längs falten und in kühles bis handwarmes Salzwasser tauchen
(1 Esslöffel Meersalz auf ½ Liter Wasser).
Leicht auswringen, so dass es nass ist, aber nicht tropft.
Den Wickel von vorne bis seitlich um den Hals legen, sodass die Lymphknoten gut mit einbezogen sind.
Darüber Heilwolle legen und mit einem Wolltuch rund um den Hals abdichten.
Nach 20–40 Minuten wieder abnehmen.
Anschließend den Hals noch etwa 1 Stunde warm halten, z.B. mit Schal oder Rollkragen.
3-mal täglich wiederholen.

Tip
Empfindet Ihr Kind Wärme als angenehmer, etwa wenn es gezielt warme Getränke verlangt, kann der Wickel auch mit warmem Wasser zubereitet werden.


 

Kamille-Nasentropfen

Anwendungsmöglichkeit
Bei Stockschnupfen und verstopfter Nase.
Die Lösung wirkt osmotisch abschwellend und ist besonders gut für Babys, Säuglinge und Kleinkinder geeignet.

Vorgehensweise
Einen starken Kamillentee zubereiten
(4 gehäufte Teelöffel Kamillenblüten auf 1 Tasse Wasser), kurz aufkochen und 5 Minuten ziehen lassen.
Abseihen und in den noch heißen Tee so viel Zucker oder körnigen Honig einrühren, bis eine sirupartige Konsistenz entsteht.

Dosierung
3–5-mal täglich 2–4 Tropfen der klebrig-süßen Lösung mit einer Pipette in das verstopfte Nasenloch träufeln.

Zusätzlich sinnvoll
Regelmäßige befeuchtende Nasenspülungen zum Abtransport des Nasensekrets.

Hinweis
Honig nur bei Kindern ab dem 1. Lebensjahr verwenden.


 

Ohrwickel mit Zwiebeln

Anwendungsmöglichkeit
Bei akutem Ohrenschmerz.
Der Zwiebelwickel wirkt entzündungshemmend und schmerzlindernd und ist ein klassisches, bewährtes Hausmittel.

Vorgehensweise
Frisch gehackte Zwiebelstückchen in ein großes Taschentuch oder Mulltuch einwickeln.
Auf das schmerzende Ohr legen und mit Stirnband oder Schal fixieren.
Nach 20–40 Minuten wieder abnehmen.
Bei Bedarf bis zu 3-mal täglich wiederholen.

Tip
Zur Wirkungssteigerung kann von außen vorsichtig eine Wärmflasche aufgelegt werden. Die Wärme unterstützt, dass die heilenden Zwiebeldämpfe intensiver wirken.

Bauchwickel mit Kamille

Anwendungsmöglichkeit
Bewährt bei akuten Bauchschmerzen, Blähungen und Übelkeit.
Der Kamillen-Bauchwickel wirkt krampflösend, entzündungshemmend und beruhigend – viele Kinder entspannen sich dabei sichtbar.

Nicht anwenden bei
Verdacht auf eine Blinddarmentzündung oder unklaren, zunehmenden Bauchschmerzen – in diesem Fall bitte immer ärztlich abklären.

Vorgehensweise
Einen Esslöffel Kamillenblüten mit einem Liter kochendem Wasser übergießen und etwa 10 Minuten ziehen lassen.
Ein Frottiertuch mehrfach längs falten, in den gut warmen Kamillentee tauchen und sorgfältig auswringen.
Den Wickel auf den Bauch Ihres Kindes legen.
Darüber ein Wolltuch wickeln, um die Wärme zu halten.
Zur Wirkungssteigerung kann vorsichtig eine Wärmflasche aufgelegt werden.

Wichtig
Keinen Bauchwickel anwenden, wenn Ihr Kind den Druck als unangenehm empfindet oder sich dagegen spannt – das ist ein klares Stoppsignal.

Dauer
Etwa 15 Minuten liegen lassen.
Bei Bedarf nach einer Stunde erneut anwenden.

Merke
Bauchwickel sind eine sanfte Möglichkeit, Beschwerden zu lindern und dem Kind Sicherheit zu geben. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung bei anhaltenden, starken oder einseitigen Bauchschmerzen, unterstützen aber die Selbstheilungskräfte und die Selbstwirksamkeit der Eltern im Alltag sehr gut.

Fazit

Elterliche Nähe, Aufmerksamkeit und ruhige Unterstützung sind oft der erste und wichtigste Heilimpuls. Hausmittel können diesen Weg sanft begleiten – kompetent, verantwortungsvoll und mit viel Herz.