Fieberbehandlung

Fieber als natürliche Abwehr

Fieber ist keine Krankheit, sondern eine sinnvolle Reaktion des Körpers. Es zeigt, dass das Immunsystem aktiv gegen Krankheitserreger arbeitet – meist gegen Viren, seltener gegen Bakterien. Bei Kindern tritt Fieber besonders häufig in der Herbst- und Wintersaison auf. Eine erhöhte Körpertemperatur unterstützt die Abwehr, da sich viele Erreger schlechter vermehren und Immunzellen schneller aktiv werden. Deshalb gilt: Nicht jedes Fieber muss sofort gesenkt werden. Entscheidend ist vor allem, wie es dem Kind geht.

In den ersten Lebensmonaten können Babys ihre Körpertemperatur noch nicht gut regulieren und fiebern nur selten. Tritt in diesem Alter Fieber auf, sollte das Baby immer zeitnah kinderärztlich untersucht werden.

Auch höheres Fieber kann von Kindern oft gut vertragen werden. Wichtig ist weniger der Zahlenwert als der Allgemeinzustand des Kindes, damit Warnzeichen rechtzeitig erkannt werden.

Allgemeine Fiebermassnahmen
Bewährte Hausmittel
Homöopathie bei Fieber

Medikamente zur Fiebersenkung

Manchmal reichen Ruhe, Zuwendung, pflanzliche Mittel und liebevolle Fürsorge allein nicht aus, um ein fieberndes Kind ausreichend zu entlasten. Wenn Ihr Kind trotz allem sichtbar leidet, Schmerzen hat oder nicht zur Ruhe findet, dürfen Sie Ihrem Kind ein Fiebermedikament verabreichen. 
In diesen Situationen ist die Gabe von Paracetamol oder Ibuprofen sinnvoll und verantwortungsvoll. 
Beide Medikamente sind im Kindesalter gut erprobt und können Ihrem Kind Erleichterung verschaffen, ohne die natürliche Abwehr grundsätzlich zu behindern.

Paracetamol oder Ibuprofen sind angezeigt, wenn ihr Kind unter dem Fieber leidet:

  • schlecht oder nicht mehr trinkt
  • sehr schlapp, energielos wirkt
  • viel weint,  Schmerzen hat

Anwendungshinweise

  • Paracetamol: alle 6 Stunden, maximal 4 Gaben pro Tag
  • Ibuprofen: alle 6–8 Stunden, maximal 3–4 Gaben pro Tag
  • Beide Mittel nicht gleichzeitig geben – ein Wechsel nur nach ärztlicher Empfehlung
  • Paracetamol-Zäpfchen sind ideal bei Übelkeit oder Erbrechen
  • Ibuprofen-Saft am besten nach dem Essen geben (magenschonend)
  • Auf ausreichend Flüssigkeit, Ruhe und Zuwendung achten
  • Fieber über 40 °C, länger als 3 Tage oder sehr mattes Kind → ärztliche Kontrolle

Dosierung von Paracetamol oder Ibuprofen

Die Dosierung richtet sich immer nach dem Körpergewicht, nicht nach dem Alter.
Die empfohlene Einzel-Dosis entnehmen Sie bitte nachfolgender Tabelle: 

KörpergewichtAlterParacetamol – ZäpfchenIbuprofen – Saft 2 % 
(20 mg/ml)
6–8 kg6–10 Monate75 mg4–5 ml (≈ 100 mg)
9–11 kg1–2 Jahre125 mg5–6 ml (≈ 120 mg)
12–15 kg2–3 Jahre250 mg6–7,5 ml (≈ 150 mg)
16–20 kg4–6 Jahre250 mg7,5–10 ml (≈ 200 mg)
21–30 kg7–9 Jahre250 mg10–15 ml (≈ 300 mg)
31–40 kg10–12 Jahre500 mg5–20 ml (≈ 400 mg)
über 40 kgab 12 Jahre500 mg20 ml (≈ 400 mg)

Fiebergefahren - Warnzeichen

Sofortige ärztliche Behandlung bei Gefahr-Symptomen im Fieber, wie:

  • Benommenheit
  • Trinkschwäche
  • ausbleibende Urinausscheidung
  • unklare Hautausschläge
  • Kopfschmerzen oder Nackensteife
  • jeder längere Fieberverlauf über 3 Tage hinaus
  • Fieber über 38,5° in den ersten 12 Lebensmonaten

Fieberbegleiterscheinungen, wie:

  • Schlafstörungen
  • Unruhe
  • Verwirrtheit 

sind Grund zu sorgsamer Aufmerksamkeit.

Fieberkrampf

Im Alter zwischen 6 Monaten und 5. Lebensjahr neigen 2 - 5 % der Kinder im Rahmen von hochfieberhaften Infekten zu Krampfanfällen. Meist zu Beginn eines raschen Fieberanstieges (oder auch Abfalles) kommt es bei Kleinkindern zu einer meist harmlosen Kurzschlussreaktion des Gehirns (sog. erniedrigte Krampfschwelle).

Die Neigung zu Fieberkrämpfen ist häufig von den Eltern geerbt (10 - 30%).

Die Kinder verlieren kurzzeitig das Bewusstsein, bekommen einen sog. starren Blick, oder verdrehen die Augen. Das Gesicht , Arme und Beine beginnen seitengleich rhythmisch zu zucken. Anschließend fallen die Kinder in einen Erschöpfungsschlaf.

Die Fieberursache soll ärztlich geklärt werden.
im Bedarfsfall  kann ein EEG im fieberfreien Zustand nach ein paar Tagen gemacht werden.

Erste Hilfe beim Fieberkrampf

  1. Ruhe bewahren – der Krampf hört meist von allein auf.
  2. Kind flach auf die Seite legen (stabile Seitenlage) → Atemwege bleiben frei.
  3. Nichts in den Mund geben (keinen Löffel, keinen Finger!).
  4. Enge Kleidung lockern, Fenster öffnen, Kind nicht festhalten.
  5. Uhrzeit merken – Dauer des Krampfes ist wichtig für die Beurteilung.
  6. Nach dem Krampf: Kind beobachten, atmet es ruhig, wacht es auf?
  7. Fieber senken (z. B. Paracetamol-Zäpfchen oder Ibuprofen-Saft, s. Tabelle oben).

Wenn der Krampf länger als 5 Minuten dauert oder sich wiederholt, sofort den Notruf 112 wählen.

Notfallmedikament: Diazepam-Rectiole

Bei bekannten Fieberkrämpfen oder längeren Anfällen kann nach ärztlicher Anweisung ein Diazepam-Rectiole (Rektaltube) gegeben werden.

KörpergewichtDosierung Diazepam-Rectiole
unter 15 kg5 mg
über 15 kg10 mg
  • Wirkung: bereits innerhalb weniger Minuten
  • Wiederholung möglich nach 10–15 Minuten, falls der Krampf anhält
  • Nach Gabe von Diazepam sollte das Kind ärztlich untersucht werden (Notdienst, Praxis oder Klinik)

Besorgniserregend sind:

  • Krampfanfälle unter 6 Monaten und über 5 Jahren
  • Krämpfe ohne Fieberinfekt
  • halbseitige Krämpfe oder Lähmungen
  • Krämpfe, die über 5 Min. anhalten oder auf Fiebermedikamente nicht reagieren.

Gut zu wissen:

  • Ein Fieberkrampf ist keine Epilepsie
  • In über 90 % der Fälle bleibt er ein einmaliges Ereignis
  • Fieber möglichst frühzeitig senken, um den nächsten Anfall zu vermeiden
  • Kind nach dem Krampf ruhen lassen und trinken lassen
  • Bei unklarem Zustand oder wiederholten Krämpfen → ärztliche Kontrolle