Grundlagen
Das Leben ist vielschichtiger, als es Analysen und Messungen je vollständig erfassen können. Wissenschaftliche Modelle helfen uns, Zusammenhänge zu verstehen – doch sie bleiben stets Annäherungen an eine komplexe Wirklichkeit.
Immer wieder haben außergewöhnliche Denker gezeigt, dass echter Erkenntnisfortschritt oft dort entsteht, wo man den Mut hat, bestehende Denkgrenzen zu hinterfragen. Ich denke an Galileo Galilei, der mit seinem Weltbild das damalige Verständnis der Natur erschütterte, an Albert Einstein, dessen Relativitätstheorie unser Denken über Raum, Zeit und Erfahrung grundlegend veränderte („Alles Wissen über die Wirklichkeit geht von der Erfahrung aus und mündet in ihr“), oder an Sigmund Freud, der die Grundpfeiler der psychischen Entwicklung sichtbar machte und damit unser Bild vom Menschen nachhaltig prägte.
In diese Reihe gehört auch Samuel Hahnemann, der Begründer der homöopathischen Heilweise. Mit seinem Leitsatz, „Ähnliches mit Ähnlichem“ zu behandeln, stellte er die bis dahin vorherrschenden medizinischen Lehrmeinungen infrage und eröffnete einen neuen Blick auf Krankheit und Heilung.
Die Homöopathie arbeitet mit stark verdünnten und potenzierten Arzneisubstanzen. Damit verlässt sie bewusst die rein stoffliche Vorstellung von Wirkung und richtet den Fokus auf regulative, nicht-materielle Prozesse im Organismus. Ziel ist es, die Selbstheilungskräfte des Menschen anzuregen und den Körper in seinem Bemühen um innere Ordnung zu unterstützen.
Dieses Verständnis lädt dazu ein, Gesundheit nicht nur als messbaren Zustand zu begreifen, sondern als dynamisches Gleichgewicht von Körper, Seele und Umwelt – offen für unterschiedliche Zugangswege, achtsam gegenüber Erfahrung und getragen von Respekt vor der individuellen Entwicklung jedes Menschen.
Entstehung
Die moderne Schulmedizin behandelt Erkrankungen überwiegend symptom- oder ursachenorientiert: Fieber wird gesenkt, Schmerzen gelindert, bakterielle Infektionen gezielt mit Antibiotika behandelt. Dieses Vorgehen ist wissenschaftlich gut untersucht und in vielen Situationen unverzichtbar.
Die Homöopathie verfolgt einen anderen, komplementären Ansatz. Sie beruht auf dem sogenannten Ähnlichkeitsprinzip („Similia similibus curentur“): Substanzen, die beim gesunden Menschen bestimmte Symptome hervorrufen können, werden in stark verdünnter Form eingesetzt, wenn ein erkrankter Mensch ähnliche Beschwerden zeigt. Ein häufig genanntes Beispiel ist die Anwendung von homöopathisch aufbereitetem Bienengift (Apis mellifica) bei Insektenstichreaktionen mit Rötung, Schwellung und Brennen.
Die Idee des Ähnlichkeitsprinzips findet sich bereits bei Hippokrates und Paracelsus. Systematisch ausgearbeitet wurde sie im 18. Jahrhundert von Samuel Hahnemann, der Arzneistoffe an gesunden Probanden untersuchte und deren Wirkung beschrieb.
Homöopathische Arzneimittel
Zur Herstellung homöopathischer Arzneimittel werden überwiegend pflanzliche, mineralische oder tierische Ausgangsstoffe verwendet. Diese werden nach genau festgelegten, standardisierten Verfahren verarbeitet.
Um unerwünschte toxische oder belastende Wirkungen zu vermeiden, erfolgt eine schrittweise, exakt definierte Verdünnung und Verschüttelung – die sogenannte Potenzierung. Ziel dieses Prozesses ist es nicht, eine chemisch messbare Dosis zu verabreichen, sondern einen regulativen Reiz zu setzen, der die körpereigenen Selbstheilungsmechanismen anspricht.
Homöopathische Arzneimittel wirken damit nicht pharmakologisch im klassischen Sinn, sondern verstehen sich als sanfte Impulsgeber innerhalb eines ganzheitlichen Regulationskonzeptes. Aufgrund der hohen Verdünnung gelten sie als gut verträglich und frei von toxischen Nebenwirkungen.
Gerade deshalb werden sie häufig begleitend oder alternativ eingesetzt – insbesondere bei Säuglingen, Kindern, Schwangeren sowie bei sehr sensiblen oder überempfindlichen Menschen. Voraussetzung bleibt dabei stets eine sorgfältige individuelle Auswahl des Mittels und eine verantwortungsvolle ärztliche Begleitung.
Die homöopathische Potenz
Der Arzneigrundstoff wird in der Homöopathie stufenweise verdünnt, dabei kräftig verschüttelt oder verrieben.
Nach der homöopathischen Lehre verstärkt diese Arzneiverdünnung die Heilkraft. Das Verdünnungsverfahren wird Potenzierung genannt. Die Verdünnungsstufe des Mittels beschreibt also die Wirkkraft (Potenz) der Arznei.
Je stärker ein Arzneistoff verdünnt (potenziert) ist, desto stärker ist die immaterielle energetische Wirkung, die von ihm ausgeht.
Man unterscheidet:
- niedere, tiefe Potenzen: D1 - D12 / C1 - C6 / LM1 u. LM2,
- mittlere Potenzen: D12 - D24 / C6 - C30 / LM3 - LM5,
- Hochpotenzen: D30 - D200 / C30 und höher / LM6 und höher.
Dosierung
Wie geschildert, besteht die homöopathische Arznei nicht aus einem chemischen Wirkstoff, sondern entfaltet Ihre Heilkraft über immaterielle Energie.
Dadurch ist die Einnahmemenge weniger bedeutsam, als die Häufigkeit der Einnahme. (Denken sie an eine Schaukel, die Sie immer wieder leicht anstoßen, damit sie weiterschwingen kann.)
Üblicherweise empfiehlt sich die Dosis von 3 Globuli für Säuglinge und Kleinkinder, 5 Globuli ab dem 3. Lebensjahr.
- Tiefe Potenzen (D1-D6) werden öfter wiederholt, z.T. stündlich,
- mittlere Potenzen (D12-D30) ein- bis dreimal täglich,
- Hochpotenzen (D200, LM 12) nur einmalig.
Die Einnahmefolge gilt für die akute Erkrankung.
Reduzieren Sie die Häufigkeit der Gaben sobald Sie eine Besserung bemerken.
D.h.: je akuter die Krankheit - desto öfter die Arznei (Ausnahme: chronische Zustände) Schläft Ihr Kind, machen Sie eine Verabreichungspause. Eine Medikamentengabe über eine Woche sollte nur in Rücksprache mit Ihrem Therapeuten erfolgen.
Niemals über sechs Wochen hinaus ohne Medikamentenpause therapieren.
Einnahmeregeln
Für Kinder empfehle ich in der Regel Globuli (Kügelchen). Sie sind alkoholfrei, gut dosierbar und werden aufgrund ihres milden Geschmacks meist problemlos akzeptiert. Bitte halten Sie die Globuli nicht längere Zeit in der Hand, sondern geben Sie sie direkt aus dem Röhrchen, da sie empfindlich auf äußere Einflüsse reagieren können.
Bei Säuglingen unter einem Jahr sollten die Globuli zur sicheren Einnahme auf einem Plastiklöffel in etwas Wasser oder Tee (bitte keine Milch) aufgelöst werden. Dies dauert wenige Minuten. Ältere Kinder lassen die Globuli langsam im Mund, möglichst unter der Zunge, zergehen. Ideal ist ein kleiner zeitlicher Abstand zu den Mahlzeiten.
Starke Sinnesreize können die Wirkung homöopathischer Arzneien beeinträchtigen. Vermeiden Sie daher rund 30 Minuten vor und nach der Einnahme intensive Geschmacks- oder Geruchsstoffe wie Zahnpasta, Kaugummi sowie ätherische Öle, insbesondere Menthol, Kampfer oder Pfefferminze.
Aufbewahrung:
Bitte bewahren Sie die Arzneien kindersicher, trocken, lichtgeschützt und nicht in der Nähe stark riechender Substanzen auf.
Ganzheitliche Begleitung der Krankheit
Unabhängig von der gewählten Therapieform profitieren Kinder von einer ganzheitlichen Unterstützung. Bewährt haben sich:
- einfache Hausmittel wie Tees, Wickel, Bäder oder sanfte Abreibungen
- pflanzliche Arzneimittel (Phytotherapie), sofern sinnvoll
- leichte, vitaminreiche Ernährung
- regelmäßige Aufenthalte an der frischen Luft
Ebenso wichtig ist die emotionale Begleitung: Nehmen Sie sich Zeit, vermitteln Sie Ruhe und Sicherheit. Kinder spüren sehr genau, ob Erwachsene zuversichtlich sind.
Nach überstandener Erkrankung darf es bewusst eine längere Erholungsphase geben. Das Immunsystem braucht Zeit, um sich wieder zu stabilisieren.
Homöopathische Maßnahmen können im Einzelfall unterstützend wirken und gut verträglich sein. Sie ersetzen jedoch keine ärztliche Diagnostik, insbesondere bei anhaltenden, schweren oder sich verschlechternden Beschwerden. Eine verantwortungsvolle Behandlung lebt immer von Beobachtung, Verlaufskontrolle und rechtzeitigem medizinischem Handeln.