Der Nachtschreck (Pavor nocturnus)
Der Nachtschreck tritt typischerweise vor Mitternacht auf. Die Kinder schreien plötzlich und sehr erregt, wirken panisch, sind dabei jedoch nicht wirklich erweckbar und erinnern sich am nächsten Morgen nicht an das Ereignis. Für Eltern ist dies oft sehr beängstigend, medizinisch handelt es sich jedoch um eine harmlose, vorübergehende Reifungsreaktion des Gehirns.
Auslöser ist häufig eine Überstimulation am Vortag, etwa durch Fernsehen, digitale Medien, große Aufregung oder einen besonders ereignisreichen Tag. Die wichtigste Therapie besteht daher nicht in Medikamenten, sondern in Reizreduktion, klaren Abendstrukturen und einem ruhigen Übergang in die Nacht.
Homöopathische Arzneien können in ausgewählten Fällen regulierend unterstützen, ersetzen aber keine konsequente Anpassung des Tages- und Abendrhythmus.
Homöopathische Begleitung
Die Auswahl des Mittels richtet sich nach dem Gesamtbild des Kindes:
- bei ängstlichen Kindern: Phosphorus oder Stramonium
- bei ausgeprägter Trennungsangst: Pulsatilla
- besonders bewährt bei Durchschlafstörungen: Cypripedium pubescens
- bei Überdrehtheit oder anhaltender innerer Erregung durch Tageserlebnisse: Avena sativa oder Valeriana
Diese Arzneien zielen auf eine Regulation des kindlichen Nervensystems.
- Bestehen Ängste vor dem Alleinsein oder der Dunkelheit?
- Werden Erlebnisse des vergangenen oder kommenden Tages innerlich „weiterbearbeitet“?
- Zeigt das Kind tagsüber bereits Unruhe oder Überforderung?
Mein Tipp aus der Praxis
Der beste „Schlafhelfer" ist kein Arzneimittel, sondern ein ausgeglichen gelebter Tag. Ausgedehnte Spaziergänge, Bewegung im Freien, Schwimmbadbesuche oder freies Spiel am Nachmittag helfen Kindern, überschüssige Energie abzubauen. Ein ruhiges, erfüllendes Spielprogramm am frühen Abend erleichtert anschließend das Einschlafen und Durchschlafen deutlich.
Viele Eltern berichten – und das deckt sich mit meiner eigenen Erfahrung –, dass Kinder erstaunlich viel körperliche und seelische Aktivität am Tag brauchen, um nachts wirklich erholsam schlafen zu können.
Fazit:
Homöopathie kann bei Durchschlafstörungen und Nachtschreck sinnvoll unterstützen – immer eingebettet in eine ganzheitliche Betrachtung des Kindes, mit klaren Tagesstrukturen, Reizreduktion und realistischen Erwartungen an die kindliche Schlafentwicklung.