Sinusitis - Nasennebenhöhlenentzündung
Eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) entwickelt sich bei Kindern meist als Folge eines länger anhaltenden Schnupfens. Die Schleimhäute schwellen an, das Sekret kann nicht mehr ausreichend abfließen, Keime vermehren sich – ein Teufelskreis aus Entzündung, Druckgefühl und zähem Nasensekret entsteht. Gerade im Kindesalter ist es wichtig, frühzeitig regulierend und schleimhautschonend zu behandeln, um Chronifizierung und Komplikationen zu vermeiden.
Im Kleinkindalter ist eine echte Sinusitis insgesamt noch selten, da sich Stirn- und Keilbeinhöhlen erst zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahr vollständig ausbilden. Dennoch können die Kieferhöhlen und Siebbeinzellen bereits betroffen sein. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Beobachtung und ärztliche Begleitung.
Homöopathische Behandlung der Sinusitis
Häufig eingesetzte Arzneien sind:
- Cinnabaris
Ein klassisches Mittel bei akuten wie auch chronischen Sinusitiden. Typisch sind Druck- und Völlegefühl an der Nasenwurzel, verstärkt beim Bücken, teils mit stechenden Nervenschmerzen. - Kalium bichromicum
Besonders angezeigt bei dickem, gelbem, zähem und fädenziehendem Nasensekret, das sich nur schwer lösen lässt. - Hydrastis canadensis
Ähnlich wie Kalium bichromicum, jedoch ist das Sekret oft bereits zäh-eitrig und kann blutige Beimengungen zeigen – Hinweis auf eine stärker gereizte Schleimhaut. - Mercurius solubilis
Bei grünlich-eitrigem Sekret, starkem Krankheitsgefühl, vermehrtem Speichelfluss, nächtlichem Schwitzen und auffällig belegter Zunge mit Zahneindrücken. - Hepar sulfuris
Sehr schmerzhafte, berührungsempfindliche Sinusitis mit übelriechendem, gelbem Nasensekret. Die Kinder sind ausgesprochen kälteempfindlich, besonders am Kopf. - Medorrhinum
Chronische oder immer wiederkehrende Sinusitis mit zähem, grünem Sekret, oft ausgelöst oder verschlechtert durch nasskaltes Wetter. - Silicea
Ein wichtiges Konstitutionsmittel bei chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen, v.a. bei zierlichen, fröstelnden, infektanfälligen Kindern mit langsamer Abheilung. - Thuja
Ebenfalls hilfreich bei rezidivierenden Sinusitiden mit Neigung zu gelb-grünlichem Sekret und schleppendem Verlauf.
Stabilisierung der Schleimhautfunktion
Stehen keine zugrunde liegenden Organerkrankungen im Vordergrund, liegt häufig eine funktionelle Schwäche der Schleimhäute vor. Gesunde Schleimhäute besitzen ausgeprägte Reinigungs- und Abwehrmechanismen – diese lassen sich gezielt unterstützen.
Zentral ist die langfristige, konsequente Befeuchtung:
- regelmäßige Meerwasser-Nasenspülungen
- Inhalationen mit 0,9 %iger Kochsalzlösung
Als pflanzliche Zusätze haben sich im Kindesalter Kamille, Holunderblüten und Thymiankraut bewährt. Besonders wirksam ist ein Kamillen-Kopfdampfbad, ein- bis zweimal täglich, sofern das Kind alt genug und kooperativ ist. Als befeuchtende Nasensprays können z.B. isotone Meerwasserpräparate oder Kombinationspräparate mit pflanzlichen Zusätzen eingesetzt werden, um die Schleimhautregeneration zu fördern.
Unterstützende Maßnahmen
Eine gute Schleimhautabwehr beginnt oft ganz unten – bei den Füßen. Warme Füße verbessern reflektorisch die Durchblutung der oberen Atemwege. Wechselbäder oder eine milde Biosauna (bei älteren Kindern) können den Kreislauf stabilisieren.
Auch sanfte Einreibungen mit Johanniskrautöl, zunächst an den Füßen, später aufsteigend, fördern die Durchblutung und die lokale Immunabwehr.
Chlorhaltiges Wasser sollte bei chronischer Sinusitis möglichst gemieden werden, da es die Schleimhäute zusätzlich reizt.
Immuntraining
Ein tragfähiges Immunsystem ist die beste Rückfallprophylaxe. Dazu gehören:
- ausreichender Schlaf
- vitamin- und mineralstoffreiche Ernährung
- tägliche Bewegung an der frischen Luft
In ausgewählten Fällen kann eine immunmodulierende Therapie sinnvoll sein, z.B. durch Bakterienlysate zur Trainingsstimulation der Atemwegsschleimhäute. Auch Probiotika zur Stabilisierung der Darmflora können unterstützend wirken. Pflanzliche Präparate mit immunmodulierender Wirkung zeigen bei manchen Kindern ebenfalls gute Effekte – stets individuell abgewogen.
Wann besondere Vorsicht geboten ist
Eine gefährliche, wenn auch seltene Komplikation ist die Ausbreitung der Entzündung auf das Gewebe der Augenhöhle (Orbitalphlegmone). Zeichen hierfür sind:
- einseitige starke Schwellung oder Rötung des Auges
- Schmerzen bei Augenbewegung
- Fieber und deutlich reduzierter Allgemeinzustand
In diesen Fällen ist sofortige ärztliche Abklärung und meist eine antibiotische Therapie erforderlich. Häufige bakterielle Erreger sind Haemophilus influenzae, Pneumokokken und Staphylokokken.
Diagnostik bei wiederkehrender Sinusitis
Bei chronischen oder rezidivierenden Verläufen sollten mögliche Ursachen ausgeschlossen werden, u.a.:
- vergrößerte Rachenmandeln
- allergische Erkrankungen
- Immundefekte
- Mukoviszidose
- Störungen der Schleimhautfunktion (Ziliendefekte)
- entzündliche Zahnwurzelprozesse
Je nach Fragestellung können Ultraschall, Laboruntersuchungen und in komplexen Fällen auch eine Bildgebung weiterhelfen.
Fazit
Nasennebenhöhlenentzündungen sind im Kindesalter oft langwierig und verlangen Geduld. Eine moderne Behandlung kombiniert Schleimhautschutz, Immunstärkung und – wo sinnvoll – integrative Verfahren. Wichtig ist eine ärztliche Begleitung, um Risiken früh zu erkennen und Komplikationen sicher zu vermeiden.
Mit einem guten Zusammenspiel aus Selbsthilfemaßnahmen, Beobachtung und medizinischer Unterstützung lassen sich die meisten Sinusitiden gut und nachhaltig beherrschen.