Schnupfen, Rhinitis, Erkältung

Warum Schnupfen sinnvoll ist

So paradox es klingt: Schnupfen ist ein hochwirksamer Schutzmechanismus. Dringen Viren auf die Schleimhäute ein, passiert Folgendes:

  • die Nasenschleimhäute schwellen an – als natürliche Barriere
  • die Durchblutung steigt – Abwehrzellen gelangen an den Ort des Geschehens
  • die Schleimproduktion nimmt zu – Krankheitserreger werden gebunden und abtransportiert

Dieser Prozess ist Teil der Reifung des kindlichen Immunsystems. Eine gute Behandlung unterstützt diesen Ablauf, statt ihn zu blockieren. Genau hier liegt die Stärke der natürlichen Schnupfentherapie. Die Homöopathie bietet ein reiches Repertoire an wirksamen Schnupfenmitteln. Für die Wirksamkeit ist es entscheidend, die Arzneimitteleigenschaften möglichst genau dem aktuellen Krankheitsbild anzupassen. Nachfolgend eine Übersicht bewährter Schnupfenmittel.

Homöopathische Schnupfenmittel

  • Aconitum:
    ein wichtiges Anfangsmittel bei plötzlichem Erkältungsbeginn, ausgelöst durch kalten Wind. Die Nase ist verstopft, die Schleimhäute sind trocken. Es besteht ein ausgeprägter Niesreiz. Die Kinder sind ängstlich und unruhig. Es kann schlgartig zu hohem Fieber kommen.
  • Dulcamara:
    ein bewährtes Herbstmittel. Der Schnupfen beginnt mit dem Eintritt der kalten Witterung und besonders nach Durchnässung (Regenwetter). Die Nase ist meist stark verstopft, trocken oder es besteht ein gelb-weißlicher Fließschnupfen. Der Schnupfen bessert sich im warmen Zimmer und tritt in der kalten Luft im Freien wieder verstärkt auf.
  • Allium cepa:
    reichlich wässriger Fließschnupfen mit heftigem Niesreiz. Die Nase ist stark gerötet und sehr wund, dagegen nur eine milde Bindehautentzündung mit nichtreizendem Tränenfluss. Oft Heiserkeit und Husten einhergehend. Frische Luft bessert, dagegen Verschlechterung abends im warmen Zimmer.
  • Euphrasia:
    sehr ähnlich wie Allium cepa, aber brennende, wundmachende Bindehautentzündung der Augen, bei eher mildem wässrigen Nasensekret.
  • Luffa operculata:
    Stockschnupfen mit Borken und Krusten in der Nase. Druckgefühl im Bereich der Stirn mit Gefahr der Nasennebenhöhlenentzündung. Besserung an der frischen Luft, Verschlechterung in der trockenen Wohnung.
  • Arsenicum album:
    es besteht ein heftiger Schnupfen mit wässrigem scharfen Nasensekret. Nasenschleimhaut und Bindehäute sind stark gereizt mit brennendem Wundschmerz. Die Kinder sind schlank, kälteempfindlich und fröstelig. Verschlimmerung durch Regen und Kälte, besser im warmen Zimmer.
  • Pulsatilla:
    verstopfte Nase in der warmen Zimmerluft mit dickem milden, gelben Sekret. Besserung an der frischen Luft. Allgemein weinerliche, anhängliche Kinder mit häufigen Stimmungsschwankungen.
  • Nux vomica:
    lästiger Stockschnupfen in der Nacht, morgens typischerweise Niesanfälle, das Nasensekret verflüssigt sich. Tagsüber Wechsel von Fließschnupfen und verstopfter Nase. Verschlechterung in der kalten Luft mit stockendem Schnupfen, der sich im warmen Zimmer wieder verflüssigt. Die Kinder sind sehr empfindlich auf Zugluft, allgemein ungeduldig und leicht reizbar.
  • Kalium bichromicum:
    verstopfte Nase mit zähem fädenziehendem weißlichen Sekret. Sehr wichtiges Mittel bei länger anhaltendem Schnupfen mit Tubenkatarrhen, Mittelohrbeteiligungen oder Nasennebenhöhlenentzündungen.
  • Sabadilla:
    starker, wässriger Fließschnupfen, häufig begleitet von Kopf- und Augenschmerzen. Typisch ist der heftige Niesreiz. Besserung durch warme Umschläge.
  • Hydrastis:
    länger anhaltender Fließschnupfen, entweder wässrig-reizend oder zäh, von gelb-grünlicher Farbe.
  • Sticta pulmonaria:
    trockener Schnupfen mit stark verstopfter Nase, Naseschneuzen bringt nichts. Typischerweise entwickelt sich die Erkältung von der Nase in die Bronchien hinein. Die Kinder bekommen nach einigen Tagen eine Bronchitis. Frische Luft bessert.

Dosierung:
Geben Sie das passende Mittel in der Potenz C6 / C12.
Zu Beginn der Symptome zweistündlich fünf Globuli, im weiteren Verlauf dreimal täglich fünf Globuli bis zur Besserung der Beschwerden.

Baby- u. Säuglingsschnupfen

  • Sambuccus nigra:
    bestes Mittel bei typischem Baby - und Säuglingsschnupfen. Die Babys schniefen und "schnorcheln", die Nase ist trocken verstopft. Das Baby hat daher Schlaf- und Trinkstörungen.
  • Zincum:
    weiteres bewährtes Schnupfenmittel bei Baby - und Säuglingsschnupfen mit verstopfter Nase, ggf. auch Husten, besonders nachts.
  • Ammonium carbonicum:
    Schnupfen bei dicklichen Kindern mit Erkältungsneigung. Scharfes, wässriges Nasensekret. Die Kinder entwickeln aber nachts und im Schlaf eine verstopfte Nase, die zu Luftnot führen kann.
  • Lycopodium:
    Fließschnupfen der Babys und Säuglinge mit ständigem Herausquellen von Schleim. Das Kind erwacht plötzlich aus tiefstem Schlaf. Daher auch tagsüber reizbar und schlecht gelaunt. Besserung nach Mitternacht und an der frischen Luft.

Dosierung:
Geben Sie das passende Mittel in der Potenz C6 / C12.
Zu Beginn der Symptome zweistündlich fünf Globuli, im weiteren Verlauf dreimal täglich drei Globuli bis zur Besserung der Beschwerden.

Natürliche Schnupfenbehandlung bei Baby und Kind

Ein Schnupfen ist lästig – aber meist harmlos. Gerade im Säuglings- und Kleinkindalter gehört er zum Trainingsprogramm des Immunsystems. Ziel einer zeitgemäßen Behandlung ist es nicht, den Schnupfen zu unterdrücken, sondern den Körper Ihres Kindes sinnvoll zu unterstützen.

Was Ihrem Kind hilft

Durchblutung fördern
Eine gute Durchblutung der Schleimhäute stärkt die Abwehr. Bewährt haben sich warme Füße – z.B. durch ansteigende Fußbäder oder abwechselnd warm-kühle Wassergüsse bei größeren Kindern. Kalte Füße und verstopfte Nasen sind ein eingespieltes Team – leider kein gutes.

Schleim feucht halten – das A und O
Zäher Schleim ist der Hauptgrund, warum Kinder schlecht durch die Nase atmen können. Ziel ist es, das Sekret flüssig zu halten:

  • Befeuchtende Nasensprays oder -tropfen mit Meerwasser oder isotoner Kochsalzlösung
  • Anwendung ruhig häufig, auch 8–10× täglich, v.a. bei Säuglingen völlig unproblematisch
  • Inhalationen mit Kochsalzlösung (z.B. 2–4× täglich je 10 Minuten) wirken tief in den Atemwegen

Optimales Raumklima

  • Luftfeuchtigkeit eher hoch halten
  • Zimmertemperatur 18–20 °C – mehr trocknet die Schleimhäute aus
  • Regelmäßiges Lüften

Ausreichend Flüssigkeit
Flüssigkeit ist ein natürliches Schleimlösemittel:

  • Wasser, Tee
  • Suppen, Eintöpfe, Kompott

Die Bedeutung des Schnupfens

Ein Schnupfen ist ein sinnvoller Schutzmechanismus. Wenn Viren auf die Schleimhäute treffen, reagiert der Körper sofort: Die Nasenschleimhäute schwellen an und erschweren es den Erregern, weiter in die Atemwege vorzudringen. Gleichzeitig wird vermehrt Schleim gebildet. Dieser bindet Krankheitserreger und transportiert sie nach außen – ganz ähnlich wie eine natürliche Reinigungsanlage.

Damit diese Abwehr gut funktioniert, braucht der Körper eine gute Durchblutung. So gelangen viele Abwehrzellen direkt an die Oberfläche der Atemwege, wo sie ihre Arbeit leisten können. Der Schnupfen hilft also aktiv dabei, Infekte einzugrenzen und auszuschwemmen.

Gerade bei Kindern ist dieser Prozess besonders wichtig. Ihr Immunsystem ist noch in der Entwicklung und lernt bei jedem Infekt dazu. Deshalb sollte der Schnupfen in der Regel nicht unterdrückt, sondern sinnvoll begleitet werden. Ziel der Behandlung ist es, die Schleimhäute feucht zu halten und dem Körper Zeit zu geben, seine Selbstreinigung zu erledigen.

Schnupfen ist lästig, aber sinnvoll – ein Zeichen dafür, dass das Abwehrsystem Ihres Kindes arbeitet und reift.

Abschwellende Nasentropfen: so kurz wie möglich – so selten wie nötig.

Abschwellende Nasentropfen sollten nur im Ausnahmefall eingesetzt werden:

  • bei deutlicher Atemnot
  • bei Trinkschwäche
  • bei ausgeprägten Schlafstörungen durch eine komplett verstopfte Nase

Sie wirken zwar rasch, aber nur kurzfristig. Zudem können sie:

  • die Schleimhäute schädigen
  • Infektionen in Nebenhöhlen oder Mittelohr begünstigen
  • bei längerer Anwendung abhängig machen