Wachstumsschmerzen

Wachstumsschmerzen gehören zu den häufigsten, aber auch verunsicherndsten Schmerzphänomenen im Kindesalter. Schätzungsweise sind bis zu 30 % aller Vor- und Schulkinder zeitweise betroffen. Auch wenn der Name anderes vermuten lässt, finden sich keine krankhaften Veränderungen an Knochen, Gelenken oder in Laboruntersuchungen. Die genaue Ursache ist bis heute nicht abschließend geklärt.

Das Wichtigste vorweg: Wachstumsschmerzen sind harmlos, können für Kinder und Eltern aber sehr belastend sein – vor allem nachts.

Typische Anzeichen von Wachstumsschmerzen

  • Auftreten meist im Vorschulalter, gelegentlich bis in die Pubertät
  • Schmerzen abends oder nachts, häufig nach körperlich aktiven Tagen
  • Nie während der Bewegung oder Belastung selbst
  • Diffuse Schmerzen, meist in den Oberschenkeln oder Unterschenkeln, selten in den Gelenken
  • Seitenwechsel oder wandernder Schmerz
  • Dauer von wenigen Minuten bis etwa einer Stunde
  • Am nächsten Morgen ist das Kind beschwerdefrei
  • Gute Besserung durch Paracetamol

Dieses typische Muster ist für die Diagnose entscheidend.

Homöopathie bei Wachstumsschmerzen

Bewährt hat sich folgende Kombination:

  • Calcium phosphoricum C30

  • Manganum metallicum C30

Die Einnahme erfolgt über 5 Wochen
Ziel ist eine Stabilisierung des Knochen- und Bewegungsstoffwechsels sowie eine Reduktion der Schmerzepisoden.

Was Eltern akut tun können

In der akuten Situation hilft vor allem Zuwendung und Beruhigung.
Viele Kinder profitieren von:

  • liebevoller Massage der schmerzhaften Region
  • Wärme, z. B. durch warme Hände oder Wärmflasche
  • sanftem Einreiben, z. B. mit 5 % Johanniskrautöl

Allein diese Maßnahmen reichen häufig schon aus, um die Schmerzen rasch abklingen zu lassen.

Schmerzmittel – wenn nötig

Bei stärkeren Schmerzen kann Paracetamol sicher und ausreichend wirksam eingesetzt werden
Dosierung: 10 mg pro kg Körpergewicht, als Saft oder Zäpfchen.

Wichtig: Abgrenzung zu ernsthaften Ursachen

So typisch Wachstumsschmerzen auch sind – sie müssen klar von anderen, teils ernsten Erkrankungen unterschieden werden. Bitte holen Sie kinderärztlichen Rat, wenn:

  • die Beschwerden länger als 3–5 Wochen anhalten
  • das typische Muster nicht zutrifft
  • Schmerzen tagsüber oder bei Belastung auftreten
  • Schwellungen, Rötungen oder Bewegungseinschränkungen bestehen

Wichtige Differenzialdiagnosen sind u. a.:

  • Juvenile idiopathische Arthritis (kindliches Rheuma)
    Morgensteifigkeit, Gelenkschwellungen, Anlaufschmerzen, oft unauffälliger Beginn
    Achtung: mögliche unbemerkte Augenbeteiligung
  • Knochentumoren oder Leukämien
    Gut lokalisierbare, belastungsabhängige Schmerzen
    Begleitzeichen wie Müdigkeit, Blässe, Fieber, Appetitmangel, blaue Flecken, Lymphknotenschwellungen
  • Borreliose
    Gelenkschmerzen Monate nach unbemerktem Zeckenbiss
    Abklärung durch Blutuntersuchung
  • Knochenbrüche (Grünholzfrakturen)
    Nach Sturz oder Trauma, Schmerzen nehmen unter Belastung zu
    Röntgen ggf. erforderlich
  • Coxitis fugax (Hüftschnupfen)
    Häufig nach Infekten, mit Schonhinken oder Bewegungsschmerz

Fazit

Wachstumsschmerzen sind häufig, gutartig und vorübergehend – erfordern aber Erfahrung in der Beurteilung, da Kinder Schmerzen oft nur ungenau beschreiben können. Entscheidend ist das typische Beschwerdebild, die sorgfältige Abgrenzung zu ernsten Ursachen und eine ruhige, zugewandte Begleitung.